Der kleinste gemeinsame Nenner

Frankfurter Buchmesse 2016

Am Sonntag, 23.10.16 stellten sich die diesjährigen Preisträger des Deutsch-Fran­zösischen Jugendliteraturpreis dem Frankfurter Messepublikum vor. Julia Balogh und Olivier La­porte sprachen am ARTE-Stand mit dem Jurymitglied Dr. Stefan Hauck vom Börsenblatt des Deutschen Buchhandels über eifersüchtige Libellen, Peter Fox, neugierige Jugendliche und die Notwendigkeit von LKW-Führerscheinen.

Der noch junge Literaturpreis wurde dieses Jahr in der Preiskategorie Sachbuch zum vierten Mal verliehen. Die Preisträger Julia Balogh und Olivier Laporte, die im Mai auf der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse in Saarbrücken ausgezeichnet wurden, könnten unterschiedlicher wohl kaum sein. Laporte öffnet über die Stimulation der Sinne die Tür zu fremden Welten. Julia Balogh geht hingegen wissenschaftlicher im klassischen Sinne an Themen heran und vertritt die Auffassung, dass sich Geschichte deutlich schneller über Persönlichkeiten einprägt, als über das sture Anlernen von Fakten. Vor diesem Hintergrund erforschte sie in „Geteilte Ansichten – Jugendliche stellen Fragen zur Deutschen Einheit“ gemeinsam mit rund 30 jungen Reportern das Deutschland vor dem Mauerfall. Die Nachwuchsjournalisten befragten Prominente aus Kultur, Sport oder Politik, wie Peter Fox, Oliver Rohrbeck oder Hanna Schygulla. Sie stellten eigene Fragen und zeichneten ein lebhaftes Mosaik aus 12 unterschiedlichen Biografien, welches die Lebenssituation auf beiden deutschen Seiten in seiner ganzen Vielfalt widerspiegelt. Kleine Erklärungen spezieller Begrifflichkeiten oder biografische Erläuterungen seitens Balogh runden das Buch ab.

Olivier Laporte ist leidenschaftlicher Sänger und Musiker, sowie langjähriger Fotograf, der sich neuerdings seinen Lebensunterhalt durch das LKW-Fahren verdient. Zwar erforscht er in seinem Buch „Voyage en Caloptérie“ die Lebenswelt der Calopterix, einer bestimmten Libellenart, allerdings auf eine sehr künstlerische, beinahe zurückhaltende Weise. Wochenlang stand er knietief im Fluss, um den schillernden Insekten näher zu kommen, sie zu verstehen und von diesen akzeptiert zu werden. Als Zeichen der vollen Integration wertete er die Attacke eines eifersüchtigen Libellenmännchens, weil Laporte der Angebeteten zu nahe kam. Entstanden ist ein poetisches Zusammenspiel aus Fotografien und Texten, das eine außergewöhnliche Nähe zwischen dem Betrachter und der sonst so fremden Welt der Insekten entstehen lässt.

Balogh und Laporte kreierten zwei sehr verschiedene Sachbücher, die doch gemeinsam haben, dass sie Lust auf Lernen machen. Und was ist mit weiteren Projekten? Gibt es irgendetwas Konkretes? Auf Stefan Haucks Abschlussfrage antwortet Balogh, dass sie an ihrer Methode des Lernens über Fragenstellen festhalten wird, aber künftige Themen lies sie sich nicht entlocken. Olivier Laporte offenbarte, dass er großes Interesse an der Welt der Spinnen hegt. Vielleicht lässt sich durch seine Fotos ja sogar die ein oder andere Phobie bekämpfen.